Als höchster Alpendurchstich einer Vollbahn auf 1’800 m ü. M. ist der Albulatunnel mit seinen 5’864 Metern ein imposanter Zeuge der Bahnpionierzeit. Es galt mit einfachsten Mitteln das Gestein und die geologisch heiklen Kalk und Dolomitschichten zu durchqueren. Vier Jahre wurde an dem Tunnel gearbeitet, welcher heute wie selbstverständlich in 4 Minuten durchfahren werden kann.
Juli 1902
1'316 Männer arbeiten am Albulatunnel, 984 im Tunnel, 332 im Freien, wo neben den Baracken auch ein Spital eingerichtet worden ist. Nicht umsonst: Der Tunnelbau forderte unzählige Verletzte. 21 Arbeiter verloren wegen Explosionen, Steinschlag und Wagenzusammenstössen gar das Leben. Von 1899 bis 1903 wurde am Albulatunnel gearbeitet. Seither führt der Tunnel als höchster Alpendurchstich einer Vollbahn auf einer Höhe von mehr als 1800 Metern über Meer durch den Berg. Bis zu 950 Meter hoch türmt sich das Gestein noch einmal über der Röhre auf. Doch was heisst hier Gestein? Der feste Albulagranit bestimmt zwar das Innere des Berges. Nördlich ist dem Granit aber eine Schicht von gut einem Kilometer nassem Ton- und Kalkschiefer vorgelagert. Und allein für eine weitere geologisch heikle Schicht aus Zellendolomit brauchten die Arbeiter mit ihren Bohrmaschinen elf Monate – obwohl die Schicht nur gerade eine Dicke von 110 Meter aufwies. Auch die Arbeiter, die sich von Süden her in das Gebirge vorarbeiteten, hatten ihre Herausforderungen: Eine Bergsturzzone machte es hier etwa nötig, während des Vortriebs labile Gesteinsbrocken im Bergesinneren sorgfältig abzustützen. Von diesen Schwierigkeiten ist heute nicht mehr viel zu merken.