Mit einem gewaltigen Sprung seines Pferdes über eine Schlucht soll sich einst der Heilige Georg vor seinen Verfolgern gerettet haben. Mittelalterliche Darstellungen dieser Legende finden sich etwa in der Kirche Sogn Gieri bei Rhäzüns. Gewaltig erscheint aber auch die neuzeitliche Form der Schluchtenüberquerung. Von der Schattenseite der wilden Schinschlucht zu den Sonnenhängen des Albulatals führt der Soliser Viadukt auf imposante Weise über die Albula, die 89 Meter tiefer unten durch die Schlucht rauscht. 42 Meter weit spannt sich der Bogen über die Tiefe.
Damit ist der Solisviadukt nicht nur die höchste Brücke der Rhätischen Bahn überhaupt, der Viadukt weist zugleich auch die grösste Spannweite aller Brücken der Albulalinie auf.
Einen weiteren Superlativ konnte der Viadukt schon zur Zeit der Erbauung für sich verbuchen: Die Ausführung eines derart grossen Brückenbogens war um die Wende zum 20. Jahrhundert im Schweizer Brückenbau ein Novum. Kein Wunder, dass der Viadukt auch etwas aufwändiger gestaltet wurde als andere Bahnbrücken. Davon zeugen heute noch die allseitig behauenen Pfeilersockel sowie etwa die gemauerten Brüstungsaufsätze. Geradezu schlicht erscheint daneben die parallel zum Viadukt verlaufende Brücke der Kantonsstrasse. Die Nähe dieser beiden Ingenieurskunstwerke zueinander macht die Geschichte der Schluchtenüberquerung noch intensiver erlebbar.